Mexiko
Mexiko steht im politisch-kulturellen Spannungsfeld zwischen Lateinamerika und den USA. Das reiche Erbe der präkolumbianischen Kulturen und der Kolonialzeit sind nicht nur an den historischen Stätten, sondern auch in der modernen Gesellschaft lebendig.
Geographisch liegt Mexiko im südlichen Teil Nordamerikas. Es wird vom nördlichen Nachbarn USA durch eine 3.141 km lange Grenze getrennt. Im Süden trifft es auf die mittelamerikanischen Länder Belize (250 km Grenze) und Guatemala (963 km Grenze). Mit einer Fläche von 1.972.550 km2 ist Mexiko fast sechs Mal größer als Deutschland.
Geschichte und Staat
Die vielen Zeitzeugnisse der spannenden Geschichte Mexikos laden heute auf Schritt und Tritt ein, sich in die verschiedenen Epochen der Entwicklung des Landes zu vertiefen und sich grundlegend damit zu befassen.
Seit der Revolution bedient sich der mexikanische Staat an Symbolen aus der Landesgeschichte und kreiert und propagiert Mythen, um eine nationale Identität zu stiften. Die verschiedenen indianischen Hochkulturen werden mit der Kolonialzeit, dem Unabhängigkeitskrieg, der Revolution, dem Demokratisierungsprozess und dem Eintritt in die Moderne auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner der Mexikanität verschmolzen.
Gesellschaft
Mexiko ist ein Vielvölkerstaat, dessen größter Bevölkerungsanteil (80%) von Mestizen, den Nachkommen von Spaniern und Indigenen, gebildet wird. Ungefähr 10-15% der Bevölkerung sind einer der mehr als 60 indigenen Ethnien zuzuordnen. Die Zahl variiert, je nachdem welche Definition der ethnischen Zugehörigkeit zu Grunde gelegt wird. Viele dieser Ethnien sprechen noch ihre Sprache. Im Zentrum und Süden Mexikos leben die meisten indigenen Völker, die z. B. Náhuatl, Maya, Mixteco, Zapoteco, Tzeltal, Tzotzil o.a. sprechen.
Eine weiße ethnische Minderheit, vor allem spanischer Herkunft, macht um die 9% der Bevölkerung aus. Noch geringer ist der Anteil von Nachfahren afrikanischer Sklaven, die hauptsächlich an den Ost- und Westküsten beheimatet waren, und im Laufe der Generationen in der Mestizenbevölkerung aufgingen.
Soziale Lage und soziale Klassen
Die OECD bezeichnete Mexiko als eines der Länder mit den größten Einkommensunterschieden der Welt. Laut Informationen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMLEV) verdienen die oberen 10% der Einkommensempfänger 39% des Gesamteinkommens, während die unteren 10% etwa 1,4 % des Gesamteinkommens beziehen. Die ethnische Zugehörigkeit korreliert stark mit der Einkommenssituation. So gehören beispielsweise 75 % der in extremer Armut lebenden Mexikaner einer indigenen Gruppe an. Dieses soziale und ökonomische Gefälle spiegelt sich auch in den Gesundheits- und Bildungsindikatoren wider.
Einsatzplätze und Rahmenbedingungen
Die Einsatzplätze bei unseren Partnerorganisationen befinden sich in den Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca, in der Ciudad de México (Mexiko-Stadt) und in Hidalgo, die alle im Süden Mexikos liegen.
Mexiko-Stadt, erbaut auf den Ruinen der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán, ist Hauptstadt sowie politisches und kulturelles Zentrum des Landes. Die Metropolregion Mexiko-Stadt hat über 20 Millionen Einwohner und ist eine der größten Städte weltweit.
Der Bundesstaat Hidalgo mit seiner Hauptstadt Pachuca de Soto liegt nördlich von Mexiko-Stadt und hat ca. 2,6 Millionen Einwohner.
Der Bundesstaat Oaxaca liegt südöstlich von Mexiko-Stadt und hat ca. 3,8 Millionen Einwohner. Die Bundeshauptstadt ist Oaxaca de Juárez, wo sich die allermeisten Einsatzplätze befinden.
Chiapas ist der südlichste Bundesstaat von Mexiko und grenzt an Guatemala. In Chiapas leben ca. 4,8 Millionen Menschen. Die Mehrzahl der Einsatzplätze befinden sich in dem 2100 m hoch gelegenen San Cristóbal de las Casas, aber auch in Comitán und in der Nähe von Tzimol.
Kennzeichnend für Chiapas, Oaxaca und Hidalgo sind der hohe Grad an Marginalisierung und – damit verbunden – die starke Abwanderung: Lebensbedingungen, die geprägt sind durch extreme Armut und das Fehlen eines Zugangs zu adäquater Gesundheit oder Bildung. In allen drei Bundesstaaten liegt der Anteil der indigenen Bevölkerung weit über dem Durchschnitt in Mexiko, – zwischen 23% und 44%. Es ist besonders diese Bevölkerungsgruppe, die von Ausgrenzung, Rassismus und Armut betroffen ist, und diejenige, mit denen unsere Partnerorganisationen vor allem zusammen arbeiten.
Die Aufgabenbereiche unserer Einsatzplätze umfassen so verschiedene Bereiche wie die Arbeit in Menschenrechtsorganisationen, in Frauenrechtsrechtorganisationen, die Arbeit mit Behinderten, die Arbeit zum Thema Umwelt- und Ressourcenschutz, Mitarbeit im Erziehungs-/Bildungssektor (Kindergärten/Vorschulen, Einrichtungen für Kinder), im Gesundheitsbereich, in Medienkollektiven, in Organisationen zu Verteidigung der Rechte von LGBTIQ* sowie im Sozialbereich. Für alle Projektplätze sind nach Möglichkeit gute Spanischkenntnisse, Eigenständigkeit, Flexibilität, Aufgeschlossenheit und Geduld erforderlich. Wünschenswert ist auch ein Interesse an sozialen Bewegungen und politischer Aktion. Besondere Voraussetzungen werden in den jeweiligen Einsatzplatzbeschreibungen genannt.
Ansprech- und Kontaktperson für die Freiwilligen sind die Mentorinnen vor Ort. Sie leben in Mexiko-Stadt, ein Oaxaca de Juárez und in San Cristóbal de las Casaas. Alle drei kommen aus Deutschland, leben und arbeiten aber seit Jahren in Mexiko und sind mit dem Kontext sehr gut vertraut. Sie unterstützen und begleiten die Freiwilligen bei Bedarf in allen wichtigen Angelegenheiten (Visum, Arztbesuche, Gastfamilien, Probleme, Notfälle etc.) und führen die Einführungsseminare im Land durch.
Die Freiwilligen sind in Wohnungen, Zimmern oder WG´s privat untergebracht. Bei Wunsch besteht auch die Möglichkeit in einer Gastfamilie zu wohnen. Nur in wenigen Organisationen leben die Freiwilligen bei der Partnerorganisation. Die Unterkunft wird gemeinsam mit den Mentorinnen und den Partnerorganisationen ausgewählt. Die Freiwilligen versorgen sich in fast allen Projekten selbst.


