El Salvador

Projekt Tejiendo Amistades

Zusammenbleiben für ein besseres Leben

Der Alltag vieler älterer Menschen in Guarjila, einem kleinen Dorf im Departement Chalatenango mit etwa 2.000 Einwohner*innen, ist geprägt von ihren Erfahrungen mit dem Bürgerkrieg in El Salvador. Die meisten Bewohner sind Bauern oder Hausfrauen, die als Flüchtlinge in Honduras lebten oder an den Kämpfen beteiligt waren. Neben ihrem Wohnort teilen diese Menschen auch ihre Erfahrungen aus dieser schwierigen Zeit. Sie treffen sich nun bis zu dreimal pro Woche in der Casa de la amistad (Haus der Freundschaft).

Seniorentreffen im Haus der Freundschaft ©Wilber Franco

Dieses große, sehr schöne Haus wurde bereits 1997 im Rahmen der Kooperation der Dorfleitung von Guarjila und der Gruppe Viva Guarjila im Welthaus Bielefeld erbaut, war aber wegen fehlender Koordination über Jahre hinweg wenig belebt. 2017 dann kehrte die Sozialarbeiterin Edith Guardado nach ihrem Freiwilligendienst bei Alt und Jung in Bielefeld nach Guarjila zurück und initiierte und begleitete seitdem – wiederum unterstützt aus Bielefeld – die heutige Gruppe Tejiendo Amistades (Freundschaften knüpfen). Seit sechs Jahren bietet das Projekt den Senior*innen in der Gemeinde einen Ort zur Erholung und gemeinsamen Freizeitgestaltung: Die Teilnehmer*innen arbeiten gemeinsam im Gemüsegarten, bereiten Mahlzeiten zu oder vergnügen sich beim Tanzabend mit Gitarrenmusik. In Angeboten zu Malerei, Kalligraphie, Brettspielen, Sticken und anderem Kunsthandwerk wird auch die Feinmotorik, die Beweglichkeit und die Lesefähigkeit altersgerecht gefördert. Darüber hinaus werden in Vorträgen einer Mitarbeiterin der Gesundheitsstation Clínica Ana Manganaro Gesundheitsthemen von Fußpflege bis Nierenerkrankungen behandelt, begleitet von praktischen Übungen zur Entspannung, Stressbewältigung und Selbstfürsorge.

Die Teilnehmer*innen können hier wichtige soziale Kompetenzen weiterentwickeln und ihre psychosoziale Gesundheit stärken. Teil der Aktivitäten sind auch Hausbesuche bei Altersgenoss*innen, deren Gesundheit es nicht erlaubt, in die Casa de la Amistad zu kommen.

Freizeitbeschäftigung mit Musik ©TNT

Eine beunruhigende Zukunft

Angesichts der allgemein schwierigen Lage alter Menschen in El Salvador kommt Projekten wie Tejiendo Amistades eine besondere Bedeutung zu.

Nach Angaben der FUNDAUNGO (Stiftung für die Ausarbeitung von akademischen Studien und Forschungsarbeiten in El Salvador) erhält nur jeder fünfte ältere Erwachsene eine Rente, so dass sein einziges Einkommen auf die Unterstützung durch seine Verwandten beschränkt ist. Darüber hinaus entscheiden sich viele junge Menschen aufgrund des Mangels an Arbeitsplätzen im Land für die Auswanderung in Länder wie die USA, wodurch viele ältere Erwachsene sich in einer Situation des Verlassenseins befinden. Es gibt auch keine staatlichen Programme, die sich mit der psychischen Gesundheit von Senioren befassen.

Seniorentreffen im Haus der Freundschaft ©Wilber Franco