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Kupfer: Mehr als nur Kleingeld

Auch wenn ein Smartphone meist nur etwa 150 g wiegt, enthält es über 60 verschiedene Metalle, die auf der ganzen Welt gewonnen werden. Deswegen ist das Smartphone ein anschauliches Beispiel, wenn es darum geht, weltweite Zusammenhänge zu erklären.

Kupfer hat unter den im Smartphone verbauten Rohstoffen einen Anteil von fast sieben Prozent. Es ist ohnehin ein wertvolles Metall, weil es sehr vielseitig einsetzbar ist: in Rohren, im Kunsthandwerk und wegen seiner hohen Leitfähigkeit in elektronischen Geräten. In Autos mit Verbrenner-Motor sind rund 25 kg Kupfer enthalten, in E-Autos sogar 65 kg. Für den Umbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende wird bei Windkrafträdern und Solaranlagen ebenfalls viel Kupfer benötigt.

Kupfer wird in mehr als 20 Ländern abgebaut. Die größten Exporteure sind Chile, Australien und Peru. Im Gegensatz etwa zu Tantal gehört Kupfer nicht zu den „kritischen Rohstoffen“, da es in vergleichsweise vielen Regionen der Welt abgebaut werden kann und der Bestand relativ hoch ist. Deutschland gehört neben China und Japan zu den fünf Hauptimporteuren von Kupfer.

Welche Folgen hat der Kupfer-Abbau?

Auch wenn Kupfer kein kritischer Rohstoff ist, löst der Abbau viele Probleme aus. Am Beispiel von Espinar, einer stark von Viehzucht geprägten Region im Süden von Peru, wird dies deutlich. Durch den Abbau von Kupfer in Espinar wird das Wasser verschmutzt und Metallablagerungen geraten ins Trinkwasser. Laut einer zwischen 2018 und 2020 von Amnesty International durchgeführten Studie wurden bei 78 Prozent der Menschen in der Gegend erhöhte Schwermetallwerte im Körper entdeckt. Das erhöht das Krebsrisiko und führt zu Organschäden. Auch Tiere erkranken durch verschmutztes Wasser, was die wirtschaftliche Grundlage der Menschen gefährdet.

Die Korruption innerhalb der Regierung und der großen Minen-Unternehmen ist ein weiteres Problem. Sie führt dazu, dass die Menschen in Espinar selbst wenig von den Gewinnen des Kupferabbaus profitieren. Im Gegenteil: Sie werden vertrieben, um Platz zu machen für die Minen. Die Menschen bekommen dafür keine Entschädigung, auch nicht für die durch die Verseuchung des Grundwassers entstandenen Krankheiten oder dafür, dass die Region nach dem Rückzug der Unternehmen unbrauchbar ist für Landwirtschaft und Viehzucht. So fällt es Händler*innen in der Region schwer, ihre Waren zu verkaufen, da befürchtet wird, die Produkte seien kontaminiert. All das führt zu sozialen Spannungen im Land, doch Proteste werden teilweise gewaltsam unterdrückt.

Das Kupfer bringt einen wichtigen Zielkonflikt mit sich. Im Zuge der Energiewende wird auf nachhaltige Energien gesetzt, damit weniger fossile Brennstoffe verbraucht werden. Dazu gehört der Bau von Solaranlagen, Windkrafträdern und auch von E-Autos. Dafür wird aber viel Kupfer benötigt, was die Nachfrage nach diesem Rohstoff erhöht. Solange er unter den oben beschriebenen Umständen gewonnen wird, verschlechtert sich die Situation in Regionen wie Espinar in Peru. Es wird vorausgesagt, dass sich der Bedarf an Kupfer bis 2035 verdoppeln wird. Damit die Energiewende nicht auf Kosten des globalen Südens geht, müssen sich die Bedingungen der Rohstoffgewinnung ändern.

Wie können wir diese Probleme lösen?

Ein wichtiger Schritt sind – ähnlich wie beim Coltan-Abbau – Gesetze, die entlang der gesamten Lieferkette eines Produktes gelten. Das heißt am Beispiel des Smartphones: Es muss sichergestellt werden, dass alle zur Herstellung nötigen Rohstoffe auf faire Weise gewonnen, verarbeitet und verbaut werden. Dazu gehört, dass Arbeiter*innen fair bezahlt werden und die Arbeitsbedingungen angemessen sind, aber auch, dass Menschen in den entsprechenden Regionen nicht unter dem Abbau leiden. Da die Rohstoffe in einem Smartphone aus vielen verschiedenen Ländern kommen und dann in anderen Ländern verarbeitet werden, ist die Umsetzung des Lieferkettengesetzes ein sehr komplizierter Prozess.

Die Kampagne „Espinar kann nicht warten“ setzt sich für diese Ziele ein. Ein erster Schritt wurde mit dem Lieferkettengesetz gemacht, dass am 1. Januar 2023 in Deutschland in Kraft getreten ist. Es verpflichtet deutsche Unternehmen mit mindestens 3.000 Mitarbeiter*innen im Inland dazu, entlang ihrer Lieferkette Standards zu Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz einzuhalten. Im Frühjahr 2024 folgte das EU-Lieferkettengesetz (CSDDD), das innerhalb von zwei Jahren durch die Mitgliedstaaten umgesetzt werden soll. Ein Problem ist, dass sich das deutsche Lieferkettengesetz auf Arbeiter*innen im Inland bezieht. Zustände wie in Espinar können aber nur dann wirkungsvoll angegangen werden, wenn ein weltweites Lieferkettengesetz existiert und eingehalten sowie die Korruption reduziert wird.

Weiterführendes Material:
https://taz.de/Kupferbergbau-in-Peru/!5892273/
https://espinar.kampagne-bergbau-peru.de/ueber-die-kampagne/
https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/Commodity_Top_News/Rohstoffwirtschaft/65_smartphones.pdf?__blob=publicationFile&v=4