Coltan
Coltan: ein wertvolles Konfliktmineral
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) ist das zweitgrößte Land Afrikas. Für einen jungen Menschen ist hier die Arbeit beim Coltan-Abbau eine vielversprechende Option. Die Nachfrage nach Coltan ist sehr hoch, weil es für viele technische Geräte wie Smartphones, Tabletts, Kameras und Flachbildschirme gebraucht wird. Außerdem gibt es wenig andere Arbeitsplätze . Aber was ist Coltan überhaupt? Wo ist es zu finden, welche Probleme verursacht der Abbau, wie können wir diese lösen – und was hat das mit globaler Nachhaltigkeit und einem guten Leben für alle zu tun?
Coltan ist ein Erz, es besteht also aus verschiedenen Mineralien, darunter Tantal. Tantal kann sehr schnell elektrische Spannung speichern, deshalb wird es als Halbleiter in vielen Geräten verwendet und ist deshalb sehr wertvoll. Es wird als „Konfliktmineral“ eingestuft, weil es nur unter gefährlichen Bedingungen zu gewinnen ist. Der Großteil des Coltans wird in der DR Kongo abgebaut. Aber was macht die Gewinnung von Coltan so gefährlich?
Die DR Kongo: Geschichte und heutige Situation
Aufgrund der Geschichte des Landes ist die politische Situation dort heute schwierig. Nachdem es 1885 zu einer belgischen Kolonie wurde, wurden die Bewohner*innen als „Besitztümer“ der Kolonialmacht angesehen. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1960 regierte der Diktator Joseph Mobutu das Land von 1965 bis 1997. Auch nach dem Ende der Diktatur stabilisierte sich die Lage nicht. Weil verschiedene Rebellengruppen Teile des Landes kontrollieren, kann bei der DR Kongo nicht von einem einheitlichen Staatsgebiet gesprochen werden, in dem klar definierte Rechte gelten.
Coltan wird als „Konfliktmineral“ bewertet, weil es unter gefährlichen Bedingungen abgebaut wird. Der Abbau wird von Hand und ohne technische Hilfsmittel ausgeführt. Es gibt keine Begrenzungen der Arbeitszeit, keine Möglichkeit, sich Gewerkschaften anzuschließen und die Bezahlung ist niedrig. Die Minen sind entweder in Privatbesitz oder in der Hand von Rebellengruppen. Daher ist es für Arbeiter*innen unmöglich, bessere Arbeitsbedingungen zu durchzusetzen. Trotz dieser schlechten Bedingungen ist der Coltan-Abbau noch immer eine vergleichsweise lohnende Perspektive für viele Menschen in der DR Kongo. Alleine in den Bergen um die Stadt Rubuya im Osten des Landes gibt es schätzungsweise 50.000 Arbeiter*innen.
Nachhaltigkeitsprobleme und Ungleichheit
Um die hohe Nachfrage nach Smartphones zu decken, werden viele wertvolle Rohstoffe benötigt. Neben Coltan gehören dazu Platin, Silber und Gold. Diese Rohstoffe werden in Afrika, Südamerika, Australien und China gewonnen. Die Handys werden in Ostasien zusammengebaut. Eine einzige Fabrik im chinesischen Zhengzhou fertigt zum Beispiel ungefähr die Hälfte aller iPhones, täglich 500.000 Stück.
Daraus ergeben sich viele Probleme in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ungleichheit: Der Transport der Einzelteile und der fertigen Smartphones ist aufwendig und verursacht CO2-Emissionen. Endliche Ressourcen werden aufgebraucht, Wälder werden gerodet, damit die benötigten Metalle abgebaut werden können. Dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen von Mensch und Natur. Auf einer weiteren Ebene verschärft sich die Ungleichheit zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden: Am Beispiel der DR Kongo zeigt sich, dass nur sehr geringe Teile der Bevölkerung der Länder, die wertvolle Ressourcen haben, auch davon profitieren. Abgesehen von einer kleinen Elite aus den jeweiligen Ländern profitieren in erster Linie die Nutzer*innen aus dem globalen Norden.
Lösungsansätze
Es gibt schon einige Ansätze, wie diese Probleme gelöst werden können. Dabei ist eine Unterscheidung zwischen individuellen Ansätzen und strukturellen Maßnahmen sinnvoll.
Auf individueller Ebene können Nutzer*innen versuchen, die elektrischen Geräte möglichst lange zu verwenden und sie im Schadensfall reparieren zu lassen, anstatt neue zu kaufen. Wenn die Geräte nicht mehr repariert werden können, können sie recycelt werden, damit einige der wertvollen Ressourcen eine neue Verwendung finden. Eine weitere Möglichkeit ist es, ein FairPhone zu kaufen. Dieser Hersteller achtet darauf, dass die Ressourcen unter besseren Bedingungen gewonnen werden. Außerdem gibt es eine 5-Jahres-Garantie, alte Geräte bleiben weiterhin mit Updates kompatibel und es ist leichter als bei anderen Marken möglich, das Handy zu reparieren.
Auf struktureller Ebene ist es wichtig, dass Gesetze den weltweiten Handel regulieren. Ein Ansatz ist das Lieferkettengesetz , das seit 2023 für deutsche Unternehmen mit mindestens 3.000 Beschäftigten im Inland gilt. Das Gesetz verpflichtet deutsche Unternehmen, entlang der gesamten Lieferkette eines Produktes sicherzustellen, dass Standards bei den Arbeitsbedingungen eingehalten werden.
Weiterführendes Material:
• https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/infografik-wo-unsere-smartphones-herkommen-15940155.html
• https://taz.de/Coltanabbau-im-Kongo/!5547168/
Reflexionsanstöße:
• Welche Möglichkeiten gibt es in deiner Umgebung, dein Handy reparieren oder recyceln zu lassen?
• Versuche, mehr über die Herkunft der Ressourcen von anderen elektrischen Geräten in deiner Umgebung herauszufinden!


