Hintergrund
Die Welt ist vielfältig – und widersprüchlich
Die Station „Unsere schrecklich schöne Welt“ zeigt auf einer großen Weltkarte mit hunderten von Fotos die Gegensätzlichkeiten auf unserer Welt. Zu sehen sind Menschen und Landschaften, Natur-Aufnahmen und Städte, Bilder von Schönheit und von Zerstörung. Die Fotos stehen ungeordnet nebeneinander. Sie sollen die Unterschiedlichkeit und Vielfalt zum Ausdruck bringen, die unsere Welt ausmachen.
Es ist manchmal nicht einfach, den Blick auf die Welt auszuhalten. Glückliche Kinder neben Familien, die im Müll nach Verwertbarem suchen, Supermärkte mit reichem Angebot neben Geflüchtetenlagern, in denen die Grundversorgung aus Geldmangel nicht mehr gelingt, startende Flugzeuge und Kinder, die lange Fußwege zur Schule gehen müssen. Wie kann man diese Gegensätzlichkeit ertragen? Manche Menschen haben beschlossen, nicht mehr hinzusehen, das Unheil der Anderen auszublenden und sich einzurichten in ihrer kleinen, abgeschirmten Welt. Manche wiederum sehen nur noch Unglück und Katastrophen und können nur noch verzweifeln, wenn sie die Nachrichten sehen oder lesen.
Vielleicht ist unsere Welt schrecklich und schön. Vielleicht müssen wir die Widersprüchlichkeit der Welt zur Kenntnis nehmen und versuchen, Hoffnung zu schöpfen aus dem, was gelingt, was Menschen überall in der Welt leisten für eine Verbesserung der Lebensumstände und für die Erhaltung der Ökosysteme.
Notwendige Kehrtwenden
Gleichwohl können wir nicht weitermachen wie bisher. Der Erdüberlastungstag zeigt, dass wir mit unserer Lebensweise den Planeten ruinieren. Wenn die Erde nicht unbewohnbar werden soll, sind politische und persönliche Veränderungen notwendig. In einem Bericht an den „Club of Rome“ (2022), ein prominentes Gremium von Wissenschaftler*innen, wurden sie beschrieben in Form von fünf Kehrtwenden. In unserer Station gibt es fünf Gucklöcher, die diese Kehrtwenden aufzeigen:
Die Kehrtwende Armut steht in einer globalen Perspektive an erster Stelle. Ein gutes Leben ist nur möglich, wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind und die Menschen die Chance haben, ihre Zukunft zu gestalten. Noch immer leben gut 700 Millionen Menschen in extremer Armut, doch in den letzten dreißig Jahren gab es bei der Reduzierung der Armut erhebliche Erfolge. Der positive Trend wurde allerdings durch die Corona-Pandemie unterbrochen.
Die Kehrtwende Ungleichheit verweist auf die ungleiche Verteilung der Güter und der Lebenschancen in der Welt. Die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen hat in vielen Ländern in den letzten Jahren zugenommen. Auch die Reichen müssen begreifen, dass mehr Gleichheit die Gesellschaften friedlicher macht und auch das ökonomische Entwicklungspotential besser zur Entfaltung bringt. Gerechtere Verteilung hilft allen.
Die Kehrtwende Gleichberechtigung erinnert an den wichtigen Beitrag, den Frauen für die gesellschaftliche Entwicklung leisten oder leisten könnten, wenn sie nicht durch patriarchale Strukturen und Gewalt daran gehindert werden.
Die Kehrtwende Ernährung thematisiert die überragende Bedeutung unserer Ernährung für die globalen Ökosysteme. Der Ausstoß von Treibhausgasen, Bodenqualität, Artenreichtum und die Erhaltung der Wälder sind eng mit der Art und Weise verknüpft, wie wir uns ernähren. Ohne eine klimagesunde Ernährung, die weniger tierische Produkte und mehr pflanzliche Nahrung enthält und gleichzeitig auch gesünder wäre, werden die Ökosysteme nicht überleben.
Schließlich fordert die Studie eine Kehrtwende Energie. Der Umbau der Industrie, die Herstellung von Konsumgütern oder auch unser Bedürfnis nach Mobilität funktionieren nicht ohne Energie. Es ist daher ein unverzichtbares Anliegen, dass diese Energie aus nachhaltigen oder erneuerbaren Energieträgern bereitgestellt wird. Die Energiewende hat bereits begonnen. Sie muss – so die Forscher*innen – beschleunigt fortgesetzt werden.
Weiterführende Materialien
• Club of Rome (Hrsg.) (2022): Earth for All. Ein Survivalguide für unseren Planeten. Der neue Bericht an den Club of Rome, 50 Jahre nach »Die Grenzen des Wachstums«. Oekom Verlag
• 10 gute Nachrichten zur Weltentwicklung. Das Unterrichtsmodul aus dem Welthaus Bielefeld für die Oberstufe kann helfen, einige positive Weltentwicklungen zur Kenntnis zu nehmen.
https://www.globales-lernen-schule-nrw.de/modul/zehn-gute-nachrichten-zur-weltentwicklung/
• Das Welthaus Bielefeld gibt zweimal im Jahr ein Datenblatt Entwicklungspolitik heraus, das auf der Basis von UN-Statistiken über weltweite Entwicklungen informiert.
Reflexionsanstöße
• Wie ist dein Blick auf die Welt? Siehst Du eher die positiven oder die negativen Entwicklungen? Was könnte für dich Anlass zur Hoffnung sein, dass die Welt noch eine Chance hat?
• Welche der fünf Kehrtwenden ist Deiner Meinung nach am leichtesten, welche am schwersten umzusetzen? Gibt es einen Bereich, wo Du schon versuchst, einen Schritt in Richtung Kehrtwende zu gehen?


