Das Handy – die ganze Welt in meiner Hand

Hintergrund

Von Bleistiften und Bananen

Smartphones, Autos, Musikinstrumente, Waschmaschinen, Bleistifte, Bananen und Kaffee: Viele Produkte und ihre Bestandteile kommen aus verschiedenen Ländern oder werden dort gefertigt. Durch die leichte Verfügbarkeit dieser Produkte ist es auch leicht, sie als selbstverständlich anzusehen und nicht darüber nachzudenken, auf welchen Wegen sie in die Supermärkte, die Fachgeschäfte oder in die Lagerhallen des Online-Versandhandels kommen.

Dass Kaffee und Bananen im globalen Süden angebaut werden, ist für viele sicher nicht neu. Aber auf welchen Wegen technische Geräte wie Smartphones zu uns kommen, ist weitaus komplizierter und schwerer nachvollziehbar.

Perspektiven auf Globalisierung

Die Selbstverständlichkeit, mit der viele Menschen Waren aus verschiedenen Ländern kaufen können, ist eine Folge der Globalisierung. Fast die ganze Welt ist durch ein Handelsnetz verbunden und das bringt viele Vorteilen mit sich: die erwähnte leichte Erhältlichkeit von Waren, internationale Handelsbeziehungen, zudem Möglichkeiten des kulturellen Austauschs und die Erweiterung der eigenen Perspektive, da global statt national gedacht werden kann.

Aber es gibt auch Nachteile. Wie deutlich diese Nachteile sind, hängt stark davon ab, aus welcher Perspektive die Globalisierung gesehen wird. Aus Sicht des globalen Nordens überwiegen die Vorteile. Aus Sicht des globalen Südens stellt sich die Globalisierung oft anders dar: Hier werden zwar viele Rohstoffe gewonnen und weiterverarbeitet, die Arbeitsbedingungen sind dabei aber oft schlecht und nur ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert von den erzielten Gewinnen.

Lieferwege des Smartphones

Ein passendes Beispiel dafür ist das Smartphone. In einem Smartphone sind viele wertvolle Metalle verarbeitet, unter anderem Gold, Kupfer, Silizium, Tantal, Platin und Zinn. Große Mengen dieser Metalle werden in Afrika und in Südamerika gewonnen. Auf der Verpackung des iPhones steht: Designed by Apple in California und das ist zugleich richtig und irreführend: Das Design wird zwar in Kalifornien konzipiert, die Rohstoffe kommen aber aus ganz anderen Regionen. Die einzelnen Teile sowie das Endgerät werden größtenteils in China und Indien zusammengesetzt, bevor sie zu den Nutzer*innen in der ganzen Welt gelangen.

Bis das Smartphone zum Kauf bereit ist, ist es also ein langer, komplizierter Weg. Bei den Themen Nachhaltigkeit, Ungleichheit und faire Handelsbeziehungen wirft das einige Probleme auf: Der Abbau und Transport der einzelnen Ressourcen und Bauteile ist sehr aufwendig und schadet der Umwelt. Außerdem verstärken sie die Ungleichheit zwischen Ländern des globalen Südens und Ländern des globalen Nordens: Die Arbeitsbedingungen in den Minen sind oft gefährlich und die Löhne der Arbeiter*innen, die die Smartphones unter großem Zeitdruck in den Fabriken zusammensetzen, sind sehr niedrig. Zudem besteht keine Möglichkeit für sie, Gewerkschaften zu gründen, die ihre Interessen vertreten.

Wie kann die Situation verändert  werden?

Es gibt aber bereits Ideen, Konzepte und Gesetze, die helfen sollen, diese Probleme abzumildern. Dazu gehört das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz  (kurz: Lieferkettengesetz), das im Juli 2021 in Kraft getreten ist. Es gilt zurzeit für alle deutschen Unternehmen mit mehr als 3.000 Arbeitnehmer*innen in Deutschland. Sie haben die Verpflichtung, sicherzustellen, dass faire Löhne gezahlt werden, dass es keine Kinderarbeit gibt und dass keine umweltrechtlichen Verstöße begangen werden. Diese Regelungen gelten entlang der gesamten Lieferkette eines Produktes. Wenn zum Beispiel ein deutscher Autohersteller bestimmte Autoteile in China fertigen lässt, muss er dafür sorgen, dass die Bedingungen vor Ort dem Lieferkettengesetz entsprechen.

Das Lieferkettengesetz ist sicherlich ein richtiger Schritt. Es sollte aber auch auf globaler Ebene verankert werden, damit Verletzungen des Gesetzes vor dem Internationalen Strafgerichtshof verhandelt werden können. Die Beziehungen zwischen Ländern des globalen Nordens und denen des globalen Südens sind immer noch ungleich: Der globale Norden profitiert, während weite Teile des globalen Südens die Nachteile zu tragen haben. Ein Lieferkettengesetz, dass effektiv für weniger Ausbeutung sorgt, wäre ein Schritt in die Richtung von fairen Handelsbeziehungen, von denen mehr Menschen profitieren.

Weiterführendes Material
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/infografik-wo-unsere-smartphones-herkommen-15940155.html

Reflexionsanstoß
• Woher kommt die Kleidung, die du anhast?